Musikalische Sammelsurien

Musik

November 2017

Wussten Sie schon, dass vor mittlerweile 50 Jahren, genau am 27. Oktober 1967 in New York eines der erfolgreichsten Musicals aller Zeiten aus der Taufe gehoben wurde: es war das Musical ‚Hair‘, das eine enorme Affinität zum damaligen Zeitgeist hatte. Der Vietnam-Krieg, die Hippie-Bewegung, die Studentenunruhen weltweit, das Aufbegehren der Jugend gegen ein verkarstetes Establishment fanden Ausdruck in den zündenden Rhythmen und provokativen Texten dieses Geniestreichs. Galt MacDermot schrieb die Musik zu den Texten von  James Rado und Gerome Ragni.

September 2017

Wussten Sie schon, dass Ludwig van Beethoven, der für sein unwirsches und ungeduldiges Naturell bekannt war, ein äußerst geduldiger Lehrer war? Sein Schüler Carl Czerny hat einiges darüber zu erzählen.

An welchen vergessenen Türen hat der Autor Peter Schleuning wohl gelauscht, als er diese „erfundenen” wahren Geschichten rekonstruierte. Fünf bedeutende Musiker erlebt man in Schlüsselszenen aus ihrem Leben. Faszinierend, mit welcher fast intimen Authentizität Schleuning uns teilhaben lässt an seinen profunden Einsichten.

August 2017

Wussten Sie schon, wie man die höchste Tugend des Operngesangs bezeichnet, die speziell für Belcanto-Opern unabdingbar ist: ‚Messa di voce‘ ist die technische Fertigkeit, jeden beliebigen Ton vom kaum hörbaren Pianissimo zum Forte anschwellen zu lassen UND wieder zurückzuführen. Das alles muss mit einer einzigen Ausatmung möglich sein. Wer also nicht über eine fundierte Atemtechnik verfügt, ist hier verloren. Gleichzeitig ist diese Technikn das Vademecum für die Profi-Stimme. Man sollte meinen, jeder Sänger strebe es an, doch gerade junge Sänger mit großen Naturstimmen vernachlässigen oft diese Kunst und müssen meist nach wenigen Jahren den Preis dafür bezahlen. Auch der dramatische Operngesang, wie beim späteren Verdi, Puccini oder Wagner führt oft aufgrund des „dicken” Orchesters zum Forcieren. Dabei klang kein „Lohengrin” so schön, wie der von Aureliano Pertile. Eine Meisterin des Messa-di-Voce-Singens war die große Montserrat Caballé.

Heute ist der amerikanische Tenor Matthew Polenzani einer der stimmtechnisch versiertesten Sänger unserer Zeit.

Juli 2017

Wussten Sie schon, dass die Münchener Opernfestspiele bereits seit dem Jahr 1875 stattfinden? Damals als Festwoche für Mozart- und Wagner-Opern konzipiert, war das Festival so erfolgreich, dass es zur Dauereinrichtung wurde. Dem Wunsch der Bevölkerung nach einem eigenen Festspielhaus kam der Prinzregent mit dem Bau des nach ihm benannten Theaters nach. Dieses wurde im August 1901 mit Wagners „Meistersingern“ eröffnet.

Juni 2017

Wussten Sie schon, warum die Elsa im LOHENGRIN von Anfang an dazu verdonnert wird, niemals nach Herkunft und Namen ihres Gatten zu fragen? Ein Versprechen, das ihr Lohengrin gleich am Anfang der Oper abnimmt und das wohl jede Frau mir Neugier und Mißtrauen erfüllen würde. Doch Lohengrin, der der Sohn Parsifals ist, darf seine Heldentaten nur unerkannt tun, andernfalls verliert er seine übernatürlichen Kräfte. Ein Dauerbrenner auf den Opernspielplänen dieser Welt und Wagners populärstes Bühnenwerk.

Mai 2017

Wussten Sie schon, dass die legendäre Sopranistin Gundula Janowitz, die in diesem Jahr ihren 80. Geburtstag feiert, wegen ihrer als „instrumental” bezeichneten Stimmführung von dem Krititker Ivan Nagel anlässlich eines Liederabends in München bescheinigt bekam: „Sie singt so, dass die Engel bei ihr dazu lernen könnten, aber Brahms-Lieder sind nun einmal für Menschenstimmen geschrieben“?

April 2017

Wussten Sie schon, dass am 1. April 1917, also vor fast genau 100 Jahren, der amerikanische Komponist Scott Joplin starb? Heute kennt jedes Kind zumindest seinen Welthit „The Entertainer“ von 1902, der in dem Film „Der Clou“ vorkam. 1976 wurde ihm posthum der Pulitzerpreis verliehen. Er gilt als „König des Ragtime“ und war Wegbereiter für den Jazz. Außerdem setzte er sich zeitlebens für die Akzeptanz der Musik afroamerikanischer Herkunft ein.

März 2017

Wussten Sie schon, woher der Begriff Da capo-Arie kommt? Da capo heißt „noch einmal!“. Erfunden wurde sie im 17. Jahrhundert, als viele Kastraten mit ihren stupenden stimmlichen Fähigkeiten die Opernbühnen bevölkerten. Sie folgt dem Schema A-B-A. Damit war der dritte Teil mit der Wiederholung des ersten die Gelegenheit für die virtuosen Sänger, ihre technischen Fähigkeiten zu demonstrieren und das Publikum mit Koloraturen und Extra-Verzierungen „schwindelig“ zu singen. Der dritte Teil gehörte ganz dem Sänger und es blieb seiner Improvisationsgabe und Kreativität überlassen, das melodische Konstrukt auszugestalten.

Februar 2017

Wussten Sie schon, was Beethoven, Schubert, Hummel, Kozeluch, Moscheles, Franz Xaver Mozart, Reicha, Cartellieri, Cherubini, Czerny, Meyerbeer und Liszt sowie viele andere damals recht populäre Tonsetzer wie Eybler und Süßmayr gemeinsam hatten? Sie waren allesamt Schüler des bis heute von der Legende als Mozart-Mörder geschmähten Antonio Salieri.  Ein  Verdacht, der sich übrigens nie erhärten ließ. Das Oeuvre Salieris beinhaltet reichlich großartige Werke, die auch gut erhalten sind. Nur werden sie viel zu selten gespielt. Immerhin wurde 2004 die Mailänder Scala nach einer umfangreichen Renovierung mit seiner Oper "Europa riconosciuta" in prominenter Besetzung wiedereröffnet.

Januar 2017

Wussten Sie schon, wann das erste Wiener Neujahrskonzert über die Bühne ging? Man erwartet eine lange, ehrwürdige Tradition aber tatsächlich wurde das erste dieser Konzerte unter der Leitung von Clemens Krauss am 31.12. 1939 aufgeführt. Die Musik der Strauß-Dynastie wurde vom Orchester ohnedies lange als minderwertige Unterhaltung gemieden. Ab den 50er Jahren aber machte der legendäre Willy Boskovsky den Termin 25 Jahre lang zum internationalen Höhepunkt zum Jahreswechsel. Ihm folgte bis 1986 Lorin Maazel. Erst 1987 entschloss man sich, jedes Jahr einen anderen Dirigenten einzuladen und das Konzert wurde in der Folge von Karajan, Abbado, Kleiber, Mehta, Muti, Maazel, Harnoncourt, Ozawa, Jansons, Prêtre, Barenboim und Welser-Möst geleitet.

Januar 2017

Wussten Sie schon, dass die berühmte amerikanische Sängerin Eileen Farrell, die als dramatischer Sopran mit allen großen Dirigenten ihrer Zeit arbeitete – Bernstein, Szell und Toscanini, um nur einige zu nennen – und in Verdi und Wagner-Partien wie Leonora und Isolde umjubelte wurde, eine unwiderstehliche Schwäche für Jazz, Blues und Popmusik hatte? Sie ließ sich auch vom MET-Direktor Rudolf Bing, der Unterhaltungsmusik für unter der Würde eines MET-Künstlers hielt, nicht davon abhalten, die Musik zu singen, die sie liebte. Zahlreiche Aufnahmen davon können sich mit den Besten dieser Genres messen.

Eine ihrer bekanntesten Platten heißt ‚I got a right to sing the blues“

Februar 2016

Wussten Sie schon, dass Skandale in der Theaterwelt des 19. Jahrhunderts durchaus erwünscht und manchmal sogar auch von langer Hand vorbereitet waren?Der wohl berühmteste Skandal fand anlässlich der Premiere von Strawinskys ‚Le Sacre du Printemps‘ statt. Sowohl Musik als auch die Choreographie irritierten das Publikum so sehr, dass es zu Tumulten kam. Der Direktor des Théâtre des Champs-Élysées, Gabriel Astruc, hat in seinen Erinnerungen diesen und viele andere Vorfälle an dem geschichtsträchtigen Haus dokumentiert.

März 2016

Wussten Sie schon, dass der belgische Chan­son­ni­er Jacques Brel ein Leben auf der Überholspur führte. Auf dem Höhepunkt seines Ruhms kehrte der Sänger und Schauspieler dem Rampenlicht den Rücken und widmete sich fortan den Dingen, die ihm wichtiger waren, als seine musikalische Karriere. Sein wilder, unbeugsamer Charakter war ständig auf der Suche nach neuen Reizen. Wer diese von Jens Rosteck so unprätentiös geschilderte Lebensreise liest, erhält gleichzeitig einen Überblick über die musikalische Zeitgeschichte der 50er/60er Jahre.

April 2016

Wussten Sie schon, dass Mozart einen Haushund namens Pimperl hatte, dem er sogar ein Gedicht schrieb? Oder… dass er im Alter von 8 Jahren Johann Christian Bach in London kennenlernte und auf dessen Schoß mit ihm Klavier spielte? Dass er seine Konstanze ohne die Einwilligung seines Vaters heiratete und dass er gern Leberknödel aß? Diese und viele andere Einblicke gewährt Eva Gesine Baur in ihrem neuen Büchlein „Mozart-ABC“, das soeben erschienen ist.

Mai 2016

Wussten Sie schon, dass der bedeutendste Dramatiker der Theatergeschichte, William Shakespeare, seine Stücke vermutlich gar nicht selber geschrieben hat? Das Leben des Stallburschen aus Stratford-upon-Avon war so zwielichtig und mysteriös wie seine Bühnenstoffe. Man ist sich heute ziemlich sicher, dass er einem anderen Autor (oder möglicherweise gar mehreren) als Strohmann diente, sich jedoch gern mit den fremden Federn schmückte, ungeachtet dessen aber seinen eigenen Geschäften als Schafzüchter und Bierbrauer nachging. Er soll sogar die wahren Autoren erpresst haben, darunter Christopher Marlowe und die damalige Königin Elizabeth. Robert Greene, ein Zeitgenosse schrieb über ihn: „Denn es gibt eine emporgekommene Krähe, fein herausgeputzt mit unseren Federn, die mit ihrem Tigerherz, in einem Schauspielergewand versteckt, meint, Blankverse ausschütten zu können wie die Besten von euch; und als ein absoluter Hans-Dampf-in-allen-Gassen kommt er sich als der einzige Theater-Erschütterer im Land vor.“

Juni 2016

Wussten Sie schon, dass die Amerikanerin Florence Foster Jenkins, die als schlechteste Sängerin der Welt galt, vom Publikum aber trotzdem mit Ovationen gefeiert wurde. Ihr Konzert in der ausverkauften Carnegie-Hall, bei dem sie in selbst entworfenen Kostümen auftrat, wurde ein Riesenerfolg. Sie traf keinen Ton ihrer Koloratur-Arien richtig, sondern jaulte eher schmerzhaft falsch. Die Hörer krümmten sich vor Lachen und liebten sie für ihre Hingabe und ihren Enthusiasmus und dass sie sich nicht scheute, sich mit ihrer Inkompetenz preiszugeben.

August 2016

Wussten Sie schon, dass Richard Wagner im Jahr 1849 als Staatsfeind steckbrieflich gesucht wurde? Er hatte sich aktiv an den Dresdner Maiaufständen beteiligt und war sogar im Besitz von Handgranaten. Als die Revolution scheiterte, floh er mit falschem Pass über Paris nach Zürich, wo er auf Kosten Franz Liszts in der "Villa Rienzi" ein gastfreundliches Haus führte, in dem vor allem andere Revolutionsflüchtlinge wie Gottfried Semper verkehrten. Es wurde viel getrunken und mit Drogen experimentiert. Mit dem Umzug in das Gartenhaus Otto von Wesendoncks, eines reichen Seidenhändlers, nahm die Affäre mit der Ehefrau des Gönners ihren Lauf, deren Intensität den Grundstein für den "Tristan" bilden sollte.

September 2016

Wussten Sie schon, dass es Franz Schubert in der Musikwelt mindestens dreimal gab? Die Zeitgenossen waren Vater (*1768) und Sohn Franz (Anton) Schubert (*1808), ebenfalls Komponisten und Instrumentalisten, die in Dresden beheimatet waren. Der Sohn nannte sich später François, war mit Chopin befreundet und als Geiger erfolgreich. Zusammen mit Frédéric Kummer schuf er bezaubernde Duos für Cello und Violine. Es lohnt sich, diese hübschen Petitessen mal zu hören.

Oktober  2016

Wussten Sie schon, dass Autos im Leben der berühmten Tänzerin Isadora Duncan (1877 bis 1927) eine fatale, tödliche Rolle spielten? Dass sie in Nizza im Cabriolet von ihrem eigenen langen, roten Schal, der sich in den Reifen verfangen hatte, erwürgt wurde, ist eine Begebenheit, die es – geschmackvoll oder nicht – zum Kult-Status gebracht hat. Aber, dass ihre Kinder durch eine Nachlässigkeit ihres Chauffeurs, der vergessen hatte, die Handbremse des Wagens anzuziehen, im Auto in der Seine ertranken, ist eine weitere tragische Komponente im Leben der großen Revolutionärin des Tanzes, die übrigens auch in München in der Münchner Kaulbachstraße eine zeitlang ein Tanzstudio betrieb und auch in Berlin zusammen mit ihrer Schwester Elizabeth und mit Unterstützung des Komponisten Engelbert Humperdinck eine Tanzschule leitete.

November 2016

Wussten Sie schon, dass Christoph Willibald Gluck mit seinem Wunsch, Musiker zu werden auf viele Widerstände stieß? Mit 16 Jahren riss er deshalb aus dem elterlichen Forsthaus aus und schlug sich singend und Maultrommel spielend nach Wien durch. Hier begann sein unaufhaltsamer Aufstieg zu einem der erfolgreichsten Komponisten seiner Zeit, der auch posthum noch von Beethoven und Wagner noch hoch geschätzt wurde.

Dezember 2016

Wussten Sie schon,  dass kaum ein Lied so oft gecovert wurde, wie Leonard Cohens berühmtes „Hallelujah“, das nun seit über 30 Jahren als Dauerbrenner durch alle möglichen Genres geistert? Dabei klingt es manchmal walzerselig und zuckersüß, manchmal aber auch marschmäßig oder im Heavy-Metal-Stil. Der Text wird den jeweiligen Anlässen gnadenlos angepasst, besonders die Weihnachts-Version ist sehr weit verbreitet und will vergessen machen, worum es in Cohens Song eigentlich geht: um die brüchige Schönheit der unvollkommenen Momente im Leben. Neben Leonard Cohens Original aus den 80er-Jahren ist die Version von KD Lang besonders hörenswert. Der Meinung war Cohen übrigens auch selber, als er der kanadischen Singer-Songwriterin sichtlich bewegt für ihre Interpretation dankte.